1

Nürnberger Ausstellung “Meine Quelle” zeigt die Höhen und Tiefen des Versandhandels

Für mich gab es als Kind nichts Schöneres: Wenn der Postbote das dicke, schwere Paket abgegeben hat und meine Mama seelig lächelnd den Plastikeinband entfernte, war ich auch gleich zur Stelle. Jedes Mal, wenn ein neuer Katalog ins Haus flatterte, habe ich mich auf die Fotos und noch mehr auf die Kleider, Schuhe – und ganz früher – die Spielzeuge – gefreut, die in einem bunten Sammelsurium auf mehr als 1000 Seiten angeboten wurden. Ich habe Collagen gebastelt und mir die schönsten Seiten mit einem Knick markiert, um Wünsche für Geburtstage oder Weihnachten zu markieren.

Was heute der Internet-Shop ist, war bis vor ein paar Jahren noch der klassische Vesandkatalog.

Die beiden größten waren Otto und Quelle – und während ersterer den Absprung ins erfolgreiche Online-Business geschafft hat, ist Quelle heute leider Geschichte.

Und genau diese wird jetzt im Museum Industriekultur in Nürnberg ausgestellt.

“Meine Quelle” heißt sie. Gezeigt werden diverse Katalog-Cover von den 50ern bis in die 0er Jahre, alte Kameras, Werbefilme und natürlich die lange Firmengeschichte auf Schautafeln.

Umringt von 170 Porträtfotos ehemaliger Quelle-Mitarbeiter, führt die Ausstellung zurück in die heile Welt des Versandhandels. Hinein in die Wohnzimmer der 60er und 70er.

Quelle, 1927 von Gustav Schickedanz gegründet, hatte ihren Höhepunkt von den 60ern bis in die 90er hinein. Karl Lagerfeld arbeitete für das Fürther Unternehmen, Claudia Schiffer zierte das Cover des Kataloges, es gab Möbel-Quelle, Foto-Quelle, Reise-Quelle und zahlreiche Eigenmarken (z.B. Privileg).
20.000 Mitarbeiter beschäftigte Quelle zu Hochzeiten.

Am Ende waren es nur noch 4000. Und als am 19. Oktober 2009 das endgültige Aus für das große Möbelhaus kam, verloren fast alle über Nacht ihren Job. Ein trauriges Schicksal, das mit Porträtfotografien von Edith Greven-Stöhr in der Ausstellung erzählt wird. 2 Jahre wurden ehemalige Mitarbeiter porträtiert und interviewt. Die Schautafeln sind sehr düster gestaltet, was der plötzlichen und teilweise unausweichlichen und nicht endenwollenden Arbeitslosigkeit einiger Mitarbeiter geschuldet ist.

Die Ausstellung “Meine Quelle” führt durch den einstigen Glamour vergangener Zeiten und ist noch bis zum 23. September geöffnet.

Infos gibt es hier.

Was verbindet ihr mit dem Katalog? Konntet ihr auch stundenlang darin eintauchen oder ist euch das schwere Ding eigentlich echt egal?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


sieben × = 63

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>