Primark-Kleidung

Teuer gleich gut? Wie gerechtfertigt ist der Preis von Kleidung?

Primark-Kleidung
Wir kennen das alle, man betritt den durchgestylten Laden in Mitte; eine fröhliche, bunte Welt tut sich auf. Solange der Blick nicht Richtung Preisschild wandert, bleibt alles so schön wie es ist. Wir kaufen gedankenlos einen Pulli für 60 Euro. Wir haben für dieses Geld gearbeitet (oder auch nicht), wir gönnen uns diesen Pullover und freuen uns, ihn abends auf der Party vorzuführen. Selten hinterfragen wir die Zustände der Produktionsstätten. Sicherlich hat sich in der letzten Zeit einiges geändert.

Es gibt einige Faire Labels, die Öko-Mode Industrie ist am wachsen und immer mehr Käufer finden es besonders schick, sich “Fair Trade” einzukleiden. Die Frage die wir uns am häufigsten stellen: ist der Preis auf dem Schildlein gerechtfertigt?

In diesem Punkt sind mehrere Sachen zu beachten, das Geld das wir für unseren Pulli zahlen, geht für verschiedene Dinge drauf. Stoffe, Produktion (Bezahlung der Arbeiter), Werbung, Managment und, und, und … Am wichtigsten ist uns dabei, wie es den Leuten ergeht, von denen das Produkt eigentlich stammt, ohne die es das alles nicht geben würde; den Nähern. Die meisten Zulieferer der großen Labels verfügen über mehrere Fabriken und Produktionsstandorte in verschiedenen Ländern. Das haben wir einmal mehr unter die Lupe genommen, und zwar bei meinen zwei Lieblingsmodeketten; Primark und American Apparel.

Die im April 2012 veröffentlichte Studie “Maid in India” der SOCOM (Centre for Research on Multinational Corporations) und der ICN (India Committee of the Netherlands) nennt Primark als Abnehmer von zwei indischen Textilfabriken. Diese Fabriken wenden ein Schema an (Sumangali-Schema), bei dem Arbeiterinnen über einen mehrjährigen Zeitraum an eine Fabrik gebunden werden und erst nach Ablauf des Vertrages bekommen sie ihr angespartes Geld ausbezahlt. Beim einem der Zulieferer wurden Arbeiterinnen entdeckt, die jünger als 14 Jahre alt waren. Außerdem deckt die Studie auf, das Sieben-Tage-Wochen , Überstunden, außerdem Misshandlung durch Aufseher, gängige Praxen in den Produktionsfirmen sind. Zwar kündigte Primark die Verträge mit 3 Lieferanten noch bevor der Sender BBC die Reportage ausstrahlen konnte, doch es wird kritisiert, dass Primark aus Marketinggründen gehandelt hat, die Probleme nicht direkt angeht um mit dem Lieferanten an Lösungen für die Arbeiter zu arbeiten, sondern allein vor schlechter Presse flüchtet. Es kam Verdacht auf, das die genannten Fakten auf falschen Informationen beruhen, ebenso verleugnete Primark die Zustände in seinen Produktionshallen, jedoch ist dem wenig glauben zu schenken, denn die meisten Standorte liegen meist in Ländern, in denen weder Menschenrechte noch Arbeitsrechte gelten. In diesem Sinne des Landes, wird der normale Arbeiter in Usbekistan, natürlich absolut legitim behandelt, und die Motivation von Primark ist selbstverständlich, in einem positivem Licht zu stehen.

Auch American Apparel wird ungewöhnlich still wenn es um das Thema Ausbeutung geht. Es gibt einen “Code of Ethics”, in welchem von einer ehrlichen und fairen Produktions- und Handlungsweise gesprochen wird. Ein ausdrückliches Verbot von Kinderarbeit findet sich darin leider gar nicht. Auf Anfragen zu Kinderarbeit in eigenen Produktionsstätten und Maßnahmen gegen solche, reagiert das Label überhaupt nicht.
Im Juni 2011 wurde bekannt, dass brasilianische Kontrolleure einen Monat zuvor 52 ausländische, illegal beschäftigte Arbeiter aus Fertigungsstätten südlich von São Paulo befreite, darunter auch Minderjährige.

Wir sind davon überzeugt, dass wir uns mehr darüber informieren sollten, wo wir einkaufen gehen. Wer weiß, wie wie es Dir dabei geht, aber wenn ich diese Fakten lese, kann ich nicht mit ruhigen Gewissen und ohne Hintergedanken den nächsten Pullover kaufen. Es geht nicht darum, dass es nur die Fast-Fashion Labels sind, die billig Produzieren lassen, sondern auch höherpreisige Labels. Uns geht es darum gerechtere Verhältnisse zu schaffen. Und jeder von uns kann dabei helfen. Denn wir sind die Käufer, wir sollten uns vorher informieren.

Bild: Georg Mallner

One thought on “Teuer gleich gut? Wie gerechtfertigt ist der Preis von Kleidung?

  1. Ihr tragt doch auch billig produzierte, überteuerte Klamotten aus dem Shit-Shop. Aufgeklebte Nieten und 79 Euro – wir haben sehr darüber gelacht. Weiter so. Immerhin müsst ihr für die Klamotten nichts bezahlen…. aber wer tut das schon?!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


8 − = sieben

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>